
Transcript
Schach
- 0:01 KI: Für euch reicht’s 1996 ist es soweit. Das
- 0:06 erste Mal in der Geschichte der Menschheit schlägt ein Computer den aktuellen Weltmeister im Schach.
- 0:13 Zwar gewinnt Garri Kasparov vier von sechs Spielen in diesem Aufeinandertreffen mit IBMs „Deep Blue“,
- 0:20 wird jedoch etwas über ein Jahr später von dem Supercomputer endgültig mit 3½ zu 2½ geschlagen.
- 0:27 Seither gibt es keinen Platz mehr für Menschen auf der Bühne für internationales Schach.
- 0:33 Seit diesem Tag spielen nur noch immer weiter entwickelte Computer
- 0:37 gegeneinander, der Mensch kann nur fasziniert von außen zuschauen.
- 0:42 Oder zumindest war das damals die Vorstellung von einigen.
- 0:45 Warum sollte man sich für das Schachspiel von Menschen interessieren, wenn doch der
- 0:50 Computer viel besseres, experimentelleres und aggressiveres Schach spielen würde?
- 0:56 Das war eine logische Überlegung, wenn man denn davon ausgeht, dass sich Menschen primär
- 1:02 für Schach interessieren würden, und nicht, wie sich herausstellte, für andere Menschen.
Einleitung
- 1:12 — Titel —
- 1:12 Es ist ein leidiges Thema: YouTuber, Fernsehsender, Filmstudios und Co.,
- 1:17 die Feuer und Flamme sind, ihre Medien fortan mit KI-Inhalten auszustatten,
- 1:21 weil sich eine Handvoll Multimilliardäre darauf geeinigt haben, dass das jetzt „die Zukunft“
- 1:25 sei. In einer imaginierten Bringschuld dieser Technologie gegenüber werden Moderationstexte,
- 1:31 Bebilderungen, ganze Sequenzen und teilweise auch einfach der intellektuelle Inhalt komplett
- 1:36 KI-generiert. Warum? Weil sich die Leute hinter diesen Medien denken: „Na ja, für euch reicht’s.“
- 1:43 Ich habe mich schon immer schwer getan, so richtig zu verstehen, was Kunst eigentlich ist
- 1:47 und „Kunst“ von „Nicht-Kunst“ zu unterscheiden. Und das kann ich genau genommen immer noch nicht,
- 1:52 aber jetzt, wo es etwas gibt, das so eindeutig nicht „Kunst“ ist, kann ich auf einmal die
- 1:57 Umrisse von echter Kunst erkennen. Und das ist nicht nur eine persönliche Erfahrung;
- 2:02 wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Spannungsfeld zwischen Kunst und Generativer
- 2:07 KI gibt es mittlerweile zuhauf. Deswegen höchste Zeit ein für alle mal festzustellen:
- 2:13 Kann generative KI Kunst sein oder bedroht sie sie sogar?
Kapitel I: Mühelose Exzellenz
- 2:18 Kapitel 1: Mühelose Exzellenz
- 2:22 Wenn ich mir Diskussionen über Generative KI anhöre oder mich an ihnen beteilige,
- 2:27 fällt in 9 von 10 Fällen irgendwann der Ausdruck, dass die Veröffentlichung von ChatGPT, Midjourney
- 2:32 und Co. einen Paradigmenwechsel darstellt. Seither ist alles anders. Ein bisschen wie
- 2:38 damals als Deep Blue Garri Kasparov besiegt hat. Aber es stimmt. Die Massentauglichkeit von
- 2:44 generativer KI ist ein Paradigmenwechsel. Das ironische an dieser Tatsache ist aber,
- 2:50 dass diejenigen, die laut und selbstbewusst diesen „Paradigmenwechsel“ ausrufen,
- 2:55 in den seltensten Fällen ihre… Paradigmen wirklich gewechselt haben. Paradigmen, oder Denkweisen,
- 3:03 Leitvorstellungen oder Muster sind unsere Bewertungsschablonen für die Welt um uns herum.
- 3:08 Eine Art Anker anhand der wir Einzelbeispiele mit der Gesamtheit aller Dinge in’s Verhältnis
- 3:13 setzen können. Aufgrund unserer Paradigmen flippen wir nicht jedes mal komplett aus, wenn wir eine
- 3:18 Weihnachtskarte sehen, die Musik spielt, wenn man sie aufklappt. Mit der Zeit haben wir, als
- 3:23 Individuen aber auch als Gesellschaft, gelernt, dass das mittlerweile (leider) recht normal ist.
- 3:28 Diese Paradigmen zu wechseln bedeutet sie an die aktuellen Gegebenheiten, an die neuen Regeln
- 3:33 anzupassen. Ein Beispiel: zuvor waren Ölgemälde etwas zutiefst beeindruckendes; Werke, die nicht
- 3:41 nur ästhetisches sondern auch handwerkliches Können und viel viel Geduld erfordert haben.
- 3:46 Motive mussten stundenlang still stehen, Künstler Jahrzehnte ihres Lebens darauf verwenden,
- 3:51 um die Fähigkeiten zu entwickeln, etwas derartiges auf die Leinwand zu kriegen. Ein Ölgemälde war ein
- 3:56 Kunstwerk, das die Bedeutsamkeit seines Motivs durch sein Medium und die damit assoziierte Mühe
- 4:02 unterstrichen hat. „Wenn es von diesem Typen mit überschaubarem Genpool ein Ölgemälde gegeben hat,
- 4:07 dann muss der schon recht wichtig gewesen sein.“ Unter den alten Paradigmen war die Gestalt eines
- 4:12 Ölgemäldes etwas gewaltiges. Unter den neuen Paradigmen ist die Gestalt eines Ölgemäldes nicht
- 4:19 viel mehr als eine Referenz an diese alten Paradigmen. Für eine generative KI ist die
- 4:24 Erzeugung eines Bildes in Ölgemälde-Optik nicht aufwändiger oder bedeutsamer als die eines Bildes
- 4:30 in Wachsmalstift-Optik. Mit gewechselten, also angepassten Paradigmen dürfte uns ein
- 4:36 KI-generiertes Bild in Ölgemälde-Optik also nicht mehr beeindrucken als jedes andere auch,
- 4:41 da wir ja wissen, dass es nicht, wie einst, mit einer besonderen Bedeutsamkeit verbunden ist.
- 4:47 Die eigenen Paradigmen nicht zu wechseln und stattdessen erstaunt von einem KI-Bild
- 4:51 in Ölgemälde-Optik zu sein oder vom eigenen Publikum zu erwarten, dass es das zu sein hat,
- 4:56 ist ein logischer Fehlschluss und legt etwas nahe, das ich „Mühelose Exzellenz“ nenne.
- 5:02 Mühelose Exzellenz kann es in einer informierten Gesellschaft nicht geben. Wenn ich als Individuum
- 5:08 nur einen Finger krümmen muss und dadurch einen Prozess in Gang setze an dessen Ende
- 5:13 ein Produkt steht, für das mir die Massen jubelnd applaudieren, dann ist das mühelose
- 5:19 Exzellenz. Wenn die Gesellschaft sich der mit dem Endergebnis verbundenen Mühe bewusst ist,
- 5:24 passt sie ihre Bewertungsmaßstäbe an, sie wechselt ihre Paradigmen. Das nächste mal,
- 5:29 wenn ihnen das Produkt eines solchen Prozesses unterkommt, verwendet sie ihre aktuellen
- 5:33 Bewertungsmaßstäbe, erkennt die intrinsische Mühelosigkeit in dem Produkt und bewertet es
- 5:38 entsprechend auch als mühe- und daher wertlos. Als der Green- und Bluescreen erstmals groß in
- 5:44 Filmproduktionen eingesetzt wurde, war das zutiefst beeindruckend, mühe- und wertvoll.
- 5:49 Mittlerweile kann jedes Smartphone Motive von ihrem Hintergrund separieren, teilweise auch
- 5:53 komplett ohne Green- oder Bluescreen; unsere Bewertungsmaßstäbe haben sich angepasst, und
- 5:59 wenn wir heute einen ausgetauschten Hintergrund irgendwo sehen, macht niemand mehr große Augen.
- 6:05 Wir befinden uns mitten in diesem Prozess, wir schauen mit Augen aus der Vergangenheit
- 6:09 auf Werke der Gegenwart. Wir staunen als Marty McFlys Mutter eine Pizza hydriert,
- 6:15 obwohl es in dieser Zeit das normalste der Welt ist.
- 6:18 Ist die Formulierung einer Anweisung und Einstellung eines KI-Modells mühelos?
- 6:23 Tendenziell schon. Man kann sich in der Bedienung, dem Arbeitsablauf und der genauen Formulierung in
- 6:29 einem Trial-and-Error Prozess sehr viel Mühe geben, man muss es aber nicht. Wenn man sich
- 6:34 die Vorträge der KI-Firmen und ihre Werbekampagnen mal so ansieht, dann sieht man auch, dass es genau
- 6:39 um diese Mühelosigkeit geht. Tendenziell ist die Erstellung eines KI-Inhalts so einfach wie
- 6:45 eine Google-Suche. Von Endergebnis zu Endergebnis ist dieser Prozess aber nicht sichtbar. Das eine
- 6:52 mag Stunden an Optimierung erfordert haben, das andere mag mit einem Prompt erstellt worden sein,
- 6:57 der selbst KI-generiert ist. Keines davon wird aber so mühevoll gewesen sein,
- 7:03 wie der echte Prozess des Mediums, das das KI-Ergebnis zu imitieren versucht.
Kapitel II: Auftraggeber & Schöpfer
- 7:09 Kapitel 2: Auftraggeber und Schöpfer
- 7:13 Kaiser Wilhelm II. soll einmal gesagt haben: „Das Auto ist eine vorübergehende Erscheinung.
- 7:18 Ich glaube an das Pferd.“. So richtig belegt ist es nicht, dass er das wirklich mal gesagt hat,
- 7:23 es steht aber trotzdem für eine nicht-progressive, gar rückschrittliche Geisteshaltung,
- 7:27 die sich technologischem Fortschritt verwehrt und lieber ignorant am Status Quo festhält.
- 7:33 Im Zuge der Diskussion um die kreative Relevanz von KI-Modellen wird auch immer
- 7:37 wieder auf vergangene technologische Entwicklungen in der Kunst hingewiesen:
- 7:41 „Das ist ja wie Photographie und Porträtmalerei damals.“, KI sei nur so etwas wie das neue
- 7:45 Photoshop oder, etwas allgemeiner, ein Werkzeug. Generative KI unterscheidet sich aber in einem
- 7:52 wesentlichen Merkmal von all diesen Beispielen: Generative KI macht den Menschen als Schöpfer
- 7:58 nicht besser. Die Fotografie war ein komplett neues Medium, um seine subjektive Wahrnehmung der
- 8:04 Realität einzufangen. Photoshop gab technische Mittel zur Hand, die, wenn vom Menschen
- 8:09 gemeistert, von ihm bei der Verwirklichung seiner Ideen genutzt werden konnten und Werkzeuge werden
- 8:15 allgemein am Ende immer noch von Menschen geführt. Generative KI ist nichts davon, damit nicht
- 8:22 vergleichbar, sie ist kein Werkzeug, sie ist ein Umsetzungsautomat. Deshalb gibt es auch rund um
- 8:28 generative KI und diejenigen, die sie großflächig anwenden wollen, den Vorstoß, die Unterscheidung
- 8:33 zwischen Auftraggeber und Schöpfer aufzulösen. Die Person, die einer KI geschrieben hat, was sie
- 8:40 generieren soll, ist aber nicht der Schöpfer des Werks, sondern dessen Auftraggeber. Generative KI
- 8:46 ist viel weniger vergleichbar mit Photoshop, einer digitalen Leinwand, die man selbst befüllen muss,
- 8:51 sondern eher mit… Fiverr, einer Seite, auf der man Leute dafür engagieren kann,
- 8:56 etwas für einen umzusetzen. Man schreibt ihnen in einem Chat-Interface, was man sich vorstellt und
- 9:02 nach einer gewissen Zeit bekommt man Ergebnisse zurückgeschickt. Niemand ehrliches würde das
- 9:07 Ergebnis einer solchen Interaktion auf Fiverr nehmen, damit stolz herumlaufen und sagen:
- 9:11 „Guckt mal, was ich gemacht habe!“. Wir sagen doch auch, dass Michelangelo
- 9:15 die Decke der sixtinischen Kapelle bemalt hat und nicht Papst Julius II., … auch wenn er
- 9:20 noch so traurig guckt! Sorry Jules, aber das ist nicht DEINE Leistung!
- 9:25 Gut, mag man jetzt sagen, was soll’s, so ist sie nun mal unsere neue Gegenwart, ist doch egal,
- 9:30 ob ein Mensch der Autor eines Werks ist oder eine Maschine. Aber… ist es wirklich egal?
- 9:37 Im 18. Jahrhundert entdeckte der Schotte James Macpherson altgälische Gesänge und mythologische
- 9:43 Epen eines Dichters namens „Ossian“ aus dem 3. Jahrhundert. Diese Werke haben damals riesige
- 9:49 Wellen geschlagen und viele zeitgenössische Künstler und historische Figuren beeindruckt und
- 9:54 beeinflusst. Napoleon Bonaparte und US-Präsident Thomas Jefferson sollen große Fans gewesen sein,
- 10:00 der Maler Philipp Otto Runge hat Szenen aus Ossians Werken illustriert und Johann Wolfgang
- 10:06 von Goethe hat ganze Passagen von Ossian für Die Leiden des jungen Werthers übernommen.
- 10:12 Knapp ein Jahrhundert später stellte sich jedoch heraus, dass es Ossian nie gegeben hat,
- 10:17 dass das alles ein riesiger Betrug war und Macpherson selbst die Schriften verfasst hat,
- 10:22 die er später als Ossians Werke ausgab. Dabei rührte ein großer Teil der Begeisterung
- 10:28 um Ossians Werke daher, dass er ein Dichter des keltischen Altertums gewesen sein soll.
- 10:34 Als Schriften des 18. Jahrhunderts, als die sie sich dann herausstellten,
- 10:38 wirkten sie stattdessen prätentiös und lächerlich. Es ist also durchaus relevant, Informationen zum
- 10:45 Autor eines Werks zu haben. Und in Bezug auf KI zeigt sich das auch immer mehr. Das Gefühl,
- 10:51 zu erfahren dass dieses süße Video von Hasen, die nachts auf einem Trampolin herumspringen,
- 10:56 KI-generiert war? Enttäuschung. Und diese Enttäuschung ist beim Publikum von KI-generierten
- 11:02 Inhalten mittlerweile so universell, dass sich die Auftraggeber von KI-generierten
- 11:07 Inhalten immer schwerer damit tun öffentlich zu benennen, dass ihre Werke sind was sie sind.
Kapitel III: Ästhetische Verantwortung
- 11:14 Kapitel 3: Ästhetische Verantwortung
- 11:18 Zeit für etwas Musik. [Musik] Das hier ist Wolfgang Amadeus Mozarts „Ein musikalischer
- 11:26 Spaß“ aus 1787. Dieses Werk ist so etwas wie ein relatable Meme, weil es ironisch ist,
- 11:33 bewusst plump und dilettantisch komponiert wurde. Es sollte so wirken wie das Werk
- 11:38 eines stereotypischen Amateurkomponisten. Ein musikalischer Spaß ist also eine Art Satire
- 11:44 über die minder begabten Komponisten aus Mozarts Zeit. Und auch wenn dieses Werk bewusst schlecht
- 11:50 gemacht ist, unterscheidet es sich qualitativ von den Werken, die unbewusst schlecht gemacht sind.
- 11:57 In „Künstliche Intelligenz — das Ende der Kunst?“ von Catrin Misselhorn wird auch dieses Beispiel
- 12:02 herangezogen, um die Qualitäten von Kunst zu definieren. Zu Mozarts Satire schreibt sie:
- 12:08 „Ob ein Werk brillant oder schwach ist, entscheidet sich daran,
- 12:11 dass seine Qualitäten nicht nur zufällig entstanden sind, sondern auf die richtige
- 12:15 Art und Weise vom Autor hervorgebracht wurden. Diese Art und Weise lässt sich mit dem Begriff
- 12:20 der ästhetischen Verantwortung umschreiben. Der Künstler ist nicht nur kausal für das
- 12:25 Entstehen des Werks verantwortlich, so wie eine Lawine für die Zerstörung eines Dorfs.“
- 12:30 Wo also beim Künstler die Fähigkeit besteht,
- 12:33 bewusste Entscheidungen für die Gestaltung eines Werks zu treffen,
- 12:36 bekommen diese Entscheidungen Bedeutung und Qualität. Das ist ästhetische Verantwortung.
- 12:42 Sich stattdessen an einen Umsetzungsautomaten zu setzen und diesen zu bitten, die eigene Idee
- 12:46 zu realisieren, ist das genaue Gegenteil von ästhetischer Verantwortung. Es ist im
- 12:51 wahrsten Sinne des Wortes verantwortungslos, generative KI für etwas zu beauftragen,
- 12:56 da man diese Verantwortung ja ganz bewusst abgibt. Darum geht es ja schließlich. Man kann also nicht
- 13:03 nur nicht der Schöpfer eines KI-generierten Inhalts sein, der KI-generierte Inhalt wird
- 13:08 auch mangels ästhetischer Verantwortung niemals ein qualitatives Kunstwerk sein.
- 13:13 Es gibt ein uraltes aber heutzutage wieder sehr aktuelles Theorem:
- 13:18 Ein Affe, der zufällig irgendwelche Tasten auf einer Schreibmaschine drückt und nie wieder damit
- 13:23 aufhört. Dieser Affe wird irgendwann Wort für Wort Shakespeares Hamlet schreiben. Und nicht
- 13:29 nur Hamlet, jeden Text der Welt. Doch wird Shakespeares Hamlet und das Wort-für-Wort
- 13:35 identische Hamlet des tippenden Affen am Ende trotzdem nicht dasselbe Werk sein. Das eine
- 13:41 hat einen Schöpfer mit ästhetischer Verantwortung, das andere nicht.
- 13:46 Dass wir als Menschen Absicht und ästhetische Verantwortung wider besseren Wissens in ein Werk
- 13:50 hineininterpretieren, das von etwas erstellt wurde, das sich nichts dabei gedacht hat,
- 13:55 ist aber bei weitem nichts neues. 1966 entwickelt der berühmte Informatiker Joseph Weizenbaum
- 14:02 einen Chatbot namens „ELIZA“, ja wirklich, 1966. Die Zukunft ist fast 60 Jahre alt.
- 14:11 Die Funktionsweise von ELIZA war dabei denkbar einfach. Die Nachricht,
- 14:15 die man in das Programm eingibt, wird nach Schlüsselbegriffen durchsucht,
- 14:18 die wiederum in Wortfamilien sortiert sind und dafür vorgesehene Antworten hinterlegt
- 14:23 bekommen haben, die meist Fragen oder Aufforderungen waren ins Detail zu gehen.
- 14:28 Schreibe ich ELIZA also: „Mein Hund hat heute einen Backflip gemacht.“ wird ELIZA
- 14:32 vermutlich basierend auf dem Wort „Hund“ zur Wortfamilie „Haustiere“ kommen und
- 14:36 eine hinterlegte Antwort wie „Erzählen Sie mir mehr über Ihre Haustiere.“ ausspucken.
- 14:41 Gerade dann wenn man in Bildern spricht, bricht die Illusion recht schnell. Die Nachricht „Ich
- 14:46 bin bekannt wie ein bunter Hund.“ würde dann nämlich auch zur Antwort „Erzählen
- 14:50 Sie mir mehr über Ihre Haustiere.“ führen. Trotzdem hat diese extrem simple Funktionsweise
- 14:55 Leute bereits davon überzeugt, dass es sich bei ELIZA um eine Intelligenz handle,
- 15:00 die ein tatsächliches Verständnis von ihrem menschlichen Gesprächspartner hätte.
- 15:04 Selbst wenn man ihnen erzählt hat, dass das Programm völlig ohne Kognition einfach nur
- 15:09 Schlüsselwörter in Fragen umwandelt, haben sich die meisten geweigert, ELIZA ihre Intelligenz
- 15:14 abzusprechen. Dieses als ELIZA-Effekt bekannte Phänomen, Absicht und Verständnis in generierte
- 15:21 Texte hineinzuinterpretieren, erklärt die Verzauberung von vielen, die mit modernen
- 15:25 Chatbots interagieren und die Anwenderfehler, die sie dabei begehen, aber auch unsere Tendenz,
- 15:31 ästhetische Verantwortung dort zu sehen, wo es keine zu finden gibt.
Kapitel IV: Demokratisierung der Kunst
- 15:37 Kapitel 4: Demokratisierung der Kunst Es gibt einen sehr empfehlenswerten
- 15:43 Comic von The Oatmeal über KI-Kunst, in dem das Beauftragen von generativer KI verglichen wird mit
- 15:49 einem Mittelklasse Casio-Keyboard. Das Keyboard hat einen Knopf, der, wenn man ihn drückt,
- 15:56 einen Demo-Song automatisch abspielt. Man selbst drückt irgendwelche Tasten auf der Klaviatur,
- 16:02 während dieser Demo-Song läuft, um von außen so zu wirken, als würde man selbst gerade spielen,
- 16:07 als hätte man eine beeindruckende Fähigkeit, die man gar nicht hat.
- 16:12 Nochmal: Generative KI macht den Menschen als Schöpfer nicht besser. Im Gegenteil,
- 16:18 der Einsatz generativer KI ist der beste Garant dafür,
- 16:21 die eigentliche Fähigkeit für dieses Medium, nie selbst zu erlernen. Manche,
- 16:26 die sich für den Einsatz von generativer KI für Kunst entscheiden, argumentieren,
- 16:31 sie selbst seien nicht talentiert genug, um diese Werke eigenmächtig zu erstellen, aber jetzt,
- 16:36 dank KI, können sie endlich all diese Sachen auch. KI sei die große Demokratisierung der Kunst.
- 16:42 Mir hat dieser Vergleich mit dem Demo-Song auf dem Keyboard sehr geholfen, um zu verstehen,
- 16:47 dass diejenigen, die jetzt KI für Kunst nutzen, diese Fähigkeiten noch immer nicht haben. Sie
- 16:53 haben nur eine Maschine, die ihnen mal mehr und mal weniger überzeugende Imitate liefert.
- 16:58 Natürlich gibt es einige wenige, die eine Begabung in einer Kunstform haben,
- 17:02 das ist aber zu vernachlässigen im Verhältnis zur Arbeit und Übung,
- 17:06 die man in das Erlernen einer Fähigkeit investiert hat. Es geht nicht darum,
- 17:10 dass man nicht talentiert ist, dass man keine Wahl hatte etwas nicht zu können,
- 17:14 es geht darum, ob man sich die Arbeit und Mühe gemacht hat, eine Fähigkeit zu lernen.
- 17:20 Im Comic von The Oatmeal wird auch angemerkt, dass wir doch auch nicht sagen,
- 17:23 wir wären nicht talentiert in portugiesisch. Nein, wir sagen „Ich habe nie Portugiesisch gelernt.“
- 17:30 Kunst ist schon längst demokratisiert. Durch das Internet, moderne Werkzeuge wie Photoshop,
- 17:35 Smartphones und Touchscreens so sehr wie noch nie zuvor. Es gibt ironischerweise
- 17:41 aktuell so wenige Argumente wie noch nie, nicht selbst kreativ zu werden. Noch nie hat
- 17:47 einen so wenig davon abgehalten, sich selbst künstlerisch zu verwirklichen.
- 17:51 Noch nie gab es so wenige Argumente für den Einsatz von generativer KI wie jetzt gerade.
- 17:59 Warum sollte man sich selbst um seine Verwirklichung betrügen und einen Automaten
- 18:03 für die Umsetzung der eigenen Idee beauftragen? Ist einem diese Idee derart wenig wert,
- 18:08 dass man ihr nicht selbst Gestalt verleihen will? Ist der Einsatz von KI nicht am Ende
- 18:13 ein Indiz dafür, dass man nicht an sich glaubt? Es gibt noch eine weitere Erklärung. Ökonomie.
- 18:20 Es ist schlicht billiger und schneller, mal mehr und mal weniger überzeugende Imitate von
- 18:24 Kunstwerken errechnen zu lassen, als echte Werke zu schaffen. Es ist die Haltung von Influencern,
- 18:30 Fernsehsendern, Filmproduktionen und Marken da draußen, dass es für das
- 18:34 eigene Publikum schon reichen würde, ihnen nur Schatten an die Wand zu werfen, statt
- 18:38 ihnen die echten Objekte vor dem Feuer zu zeigen. Die Überzeugung, dass die Leute auch applaudieren
- 18:44 würden für jemanden, der an einem Casio-Keyboard steht und drückt, während der Demo-Song läuft.
- 18:49 Doch habe ich in den vergangenen Monaten mal die Augen offen gehalten,
Zukunft wider Willen
- 18:53 wie denn die Stimmung in diesem Publikum so ist,
- 18:55 wenn irgendwo erkennbar KI-generierte Medien zu sehen sind, und es zeigt sich,
- 19:00 dass die Entscheidungen für KI-Inhalte zu einem überwiegenden Teil auch Entscheidungen gegen den
- 19:05 Willen des Publikums sind. Und nach allem was ich dazu gelesen habe, überrascht mich das auch nicht.
- 19:12 Weder sind KI-generierte Inhalte beeindruckend, weil die meisten mittlerweile ihre Paradigmen
- 19:17 gewechselt haben, und sehen wie mühe- und wertlos diese Erzeugnisse in Wahrheit sind;
- 19:21 noch sind KI-generierte Inhalte in irgendeiner Weise ein Ausdruck von einem Schöpfer und erst
- 19:26 recht tragen sie keine ästhetische Verantwortung und sind daher qualitativ bedeutungslos.
- 19:32 Und dennoch werden immer wieder KI-generierte Inhalte platziert,
- 19:36 weil sich die Entscheidungsträger denken: „Na ja, für euch reicht’s.“
- 19:41 So gut wie niemand will diese Inhalte sehen. Weswegen ich mir auch keinerlei Sorgen darum
- 19:45 mache, dass KI-Erzeugnisse die Kunst existentiell bedrohen würden. Teilweise sind die Leute sogar
- 19:51 so entrüstet, dass einige aktiv darüber nachdenken, lieber zu authentischen und
- 19:56 ästhetisch wertvollen Plattformen zu wechseln. Ganz nach dem Motto: „Ja, für mich reicht’s.“
My Thoughts/Notes: This video seems to show a third or another position in the discussion about AI next to the slob and the singularity arguments, which is that AI is really powerful but it will only benefit the rich and powerful, which is an interesting argument, but on the other hand, you could argue that AI democratizes a lot of things like access to intelligence, etc. For example, many people can now create art more than ever, you would say but then there is the argument that only the rich or already powerful artists will actually make a living off it. So I’m not really sold on this argument, but it seems to be noteworthy and probably good as a part of the video to show as a different position.